Kritik an der Mediation oder was alles falsch laufen kann.

Mediation ist kein Wundermittel für Konfliktlösungen. Sie bietet eine Plattform für Streitparteien, ihre Differenzen in einem konstruktiven Rahmen zu klären. Aber wie bei jedem Prozess gibt es auch hier potenzielle Fallstricke. In diesem Artikel beleuchte ich, was in der Mediation alles falsch laufen kann.

Disappointed. Sticker Artist: unbekannt. Fotografie: Daniel Frei

Daniel Frei - Die Mediation hat sich als Instrument zur Konfliktlösung etabliert. Sie bietet den beteiligten Parteien die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen zu kommunizieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Doch wie jedes Instrument hat auch die Mediation ihre Tücken und kann unter bestimmten Umständen ihre Ziele verfehlen. Damit sie funktioniert, sind verschiedene Bedingungen und Voraussetzungen zu erfüllen. Doch was passiert, wenn diese nicht gegeben sind? Welche Hindernisse können den Erfolg der Mediation beeinträchtigen?


Unklare Erwartungen.

Eine der häufigsten Ursachen für das Scheitern der Mediation ist das Fehlen klarer Erwartungen. Wenn die Parteien nicht genau verstehen, was der Prozess beinhaltet oder was von ihnen erwartet wird, kann dies zu Enttäuschungen und Frustrationen führen.

Unzureichende Vorbereitung.

Eine schlechte Vorbereitung kann dazu führen, dass kritische Themen übersehen werden oder dass die Parteien nicht angemessen auf die Mediationssitzung vorbereitet sind.

Mangelnde Vertraulichkeit.

Wenn die Parteien das Gefühl haben, dass ihre Äusserungen nicht vertraulich behandelt werden, kann dies dazu führen, dass sie sich zurückhalten und nicht offen kommunizieren. Das beeinträchtigt den ganzen Prozess.

Fehlendes Commitment.

Wenn eine oder beide Parteien nicht vollständig an den Mediationsprozess glauben oder ihn nicht ernst nehmen, ist die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses gering.

Übermässiger Druck.

Einige Mediator:innen könnten versucht sein, die Parteien zu einer Einigung zu drängen, um den Prozess zu beschleunigen oder einen vermeintlichen Erfolg verbuchen zu wollen. Dies kann jedoch zu unausgegorenen Vereinbarungen führen, die später bereut werden.

Unrealistische Lösungen.

Manchmal können Parteien zu einer Lösung kommen, die in der Praxis nicht umsetzbar ist. Dies kann zu weiteren Konflikten und Enttäuschungen in der Zukunft führen.

Mangelnde Neutralität.

Ein zentrales Merkmal der Mediation ist die Rolle der neutralen Dritten - der Mediator:in. Doch wie neutral kann eine Person wirklich sein? Es gibt zu Recht Befürchtungen, dass selbst gut ausgebildete Mediator:innen unbewusste Vorurteile und Biases mitbringen, die den Prozess beeinflussen.

Machtungleichgewicht.

In Situationen, in denen ein erhebliches Machtungleichgewicht zwischen den Parteien besteht, z.B. in Fällen von häuslicher Gewalt oder bei großen Unternehmenskonflikten, kann Mediation problematisch sein. Die schwächere Partei könnte sich unter Druck gesetzt fühlen, einem Vergleich zuzustimmen, der nicht in ihrem besten Interesse liegt.

Vertraulichkeit kann gegen Transparenz arbeiten.

Während die Vertraulichkeit oft als Vorteil der Mediation angepriesen wird, gibt es Kritiker:innen, die argumentieren, dass sie auch negative Auswirkungen haben kann. Ohne öffentliche Rechenschaftspflicht könnten wichtige Präzedenzfälle oder wiederkehrende Probleme unentdeckt bleiben.

Nicht immer kosteneffizient.

Obwohl Mediation oft als kostengünstigere Alternative zum Gerichtsverfahren dargestellt wird, kann sie, insbesondere bei komplexen Fällen oder wenn sie sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, teuer werden.

Keine Garantie für eine Lösung

Es gibt keine Garantie, dass eine Mediation zu einer Einigung führt. Wenn die Mediation scheitert, könnten die Parteien das Gefühl haben, Zeit und Ressourcen verschwendet zu haben, und dann dennoch vor Gericht ziehen müssen.