Gibt es Moral ohne Religion?

Die Vorstellung, Moral brauche Religion wie ein Fundament, scheint mir weit verbreitet. Ohne Gott, so das Gerücht, der implizite Verdacht, drohe Beliebigkeit. Aber je genauer wir hinschauen, desto brüchiger wird diese Annahme. Biologie, Philosophie und Sozialgeschichte erzählen eine andere Geschichte. Eine komplexere. Und vielleicht eine tröstlichere?

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Warum Anstand nicht höflich ist und Höflichkeit nichts mit Anstand zu tun hat.

Höflichkeit beruhigt. Anstand entscheidet. Während wir gelernt haben, uns korrekt zu verhalten, kann dabei aus dem Blick geraten, was moralisch notwendig ist. Warum Anstand mehr ist als gutes Benehmen, weshalb er manchmal unhöflich wirken muss und warum wahre Integrität nicht im Anstehen entsteht, sondern im Handeln.

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Führung ist Beziehung, oder sie ist nichts.

Der Mythos des unabhängigen Leaders ist überholt. Führung ist kein Solo. Sie ist immer Beziehung, immer wechselseitig, immer verwundbar. Wer führt, muss sich berühren lassen.

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(Wie) kann ich mich verändern?

Die Frage nach Veränderung taucht selten aus Neugier auf. Meistens meldet sie sich nach Wiederholungen. Wenn man merkt, dass man schon wieder gleich reagiert hat. Gleich ausgewichen. Gleich argumentiert. Dann klingt sie plötzlich dringlich und zugleich verdächtig. Kann ich mich verändern? Und wenn ja, wie? Oder stelle ich die falsche Frage zur falschen Zeit?

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Nichts erwarten, alles vorbereiten: Wie Erwartungen senken, ohne sich selbst klein zu machen.

Kurz bevor etwas beginnt, verdichtet sich die Stille. Nach aussen wirkt alles harmlos, innen jedoch formen sich die Erwartungen. Von der Spannung vor dem Start, von der inneren Logik der Erwartungen und von einer Haltung, die nicht auf Vermeidung setzt, sondern auf Freiheit im Tun.

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Die Zeit der solitären Führung ist vorbei. Es beginnt das Zeitalter der Ko-Navigation.

Die Vorstellung, dass eine Person solitär führt und die anderen folgen, ist ein Relikt. Sie stammt aus einer Zeit von Landkarten, Hierarchien und klaren Befehlswegen. Eine:r wusste, wo es langgeht. Die anderen gingen mit. Diese Logik hat funktioniert, solange die Welt überschaubar war und die Richtung stabil. Diese Zeit ist vorbei.

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Fühlen. Egal was, Hauptsache das.

Fühlen gilt als Störfaktor. Als Risiko. Als etwas, das man im Griff haben muss, bevor es einen selbst im Griff hat. Aber je perfekter wir uns organisiert haben, desto deutlicher meldet sich genau das, was wir zu vermeiden suchten. Nicht als Theorie, sondern als Zustand. Eine Einladung, das Fühlen nicht länger zu therapieren, zu managen oder zu übergehen, sondern es wieder als das zu begreifen, was es ist: ein präzises, unbestechliches Orientierungssystem. Unordentlich vielleicht. Aber lebendig.

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Verrückte Märchen, klare Diagnosen: Was Prinzessinnen über psychische Gesundheit, Bindung und Führung erzählen.

Märchen sind keine harmlosen Gute-Nacht-Geschichten. Sie sind psychologische Verdichtungen. Sie erzählen von Sehnsucht, Abhängigkeit, Mut und Selbstverlust. Und sie prägen unterbewusst unser Bild von Beziehung, Identität und Führung. Die Maturaarbeit von Nora von Allmen liest klassische Märchen und ihre Disney-Adaptionen mit einem Instrument, das man dort selten vermutet: dem DSM-5. Heraus kommt kein Pathologisieren, sondern eine präzise Analyse darüber, wie sehr diese Figuren innere Konflikte tragen, die uns bis heute vertraut sind.

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Sitzen mit Traurigkeit.

Traurigkeit gilt in unserer Kultur als Störung, als etwas, das möglichst schnell überwunden, erklärt oder transformiert werden soll. Aber Traurigkeit ist kein Defekt, sondern eine menschliche Fähigkeit. Eine, die wir verlernt haben. Wer nicht vor ihr flieht, sondern bei ihr bleibt, betritt einen Raum jenseits von Aktivismus, Betäubung und Rückzug. Dort geschieht etwas Unauffälliges und zugleich Grundlegendes: Selbstregulation statt Kontrolle, Würde statt Funktionieren, und eine leise Freiheit, die nicht aus Lösungen entsteht, sondern aus Präsenz.

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Ist es «Nein», wenn wir «Ja» nicht spüren?

Wir entscheiden uns tagtäglich, in grossen und kleinen Belangen, dafür oder dagegen. Wir wägen ab, ob wir einer Einladung folgen, einen neuen beruflichen Weg einschlagen oder uns in einer Beziehung engagieren. Oftmals sagen wir «Ja» oder «Nein», basierend auf einem inneren Gefühl, einer intuitiven Zustimmung oder Ablehnung. Aber was, wenn diese intuitive Zustimmung, das innere «Ja», ausbleibt? Bedeutet dies zwangsläufig, dass es ein «Nein» ist?

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Wer immer funktioniert, ist kein Vorbild.

Perfektion ist unnahbar. Verletzlichkeit macht nahbar. Wer nie zweifelt, nie stolpert, ist kein Mensch, sondern Projektionsfläche. Doch Menschen folgen Menschen. Nicht Maschinen.

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Bali, Ritual, Wandel: Ein Themen-Dossier über die Insel als Spiegel.

Bali ist eine der Inseln, die wir nicht einfach besuchen. Sie wirkt. Sie fordert. Sie zeigt. Wer sich auf sie einlässt, entdeckt eine Welt, die mit grosser Selbstverständlichkeit zwischen Alltag und Heiligkeit pendelt. Eine Kultur, in der Rituale nicht dekorativ sind, sondern tragende Architektur eines sozialen Gefüges. Eine Insel, auf der Spiritualität nicht erklärt werden muss, weil sie überall sichtbar, fühlbar und hörbar ist.

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Was hat Bali mit Mürren gemein?

Etwa so viel wie das Empty Leader-Retreat mit einem klassischen Führungsseminar. Auf dem Papier vielleicht ähnliche Kategorien. In der Realität zwei völlig verschiedene Erfahrungen. Mürren ist keine Flucht. Mürren ist ein Ort, der deutet. Und das Retreat ist kein Seminar, sondern ein Raum für Begegnung mit sich selbst.

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Das grösste Führungsinstrument ist Sprache.

Nicht PowerPoint. Nicht OKR. Nicht der Statusbericht. Sondern die Art, wie wir sprechen: Klarheit, Widerspruchsfähigkeit, Resonanz. Sprache stiftet Wirklichkeit. Wer führen will, muss seine Sprache führen können.

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Die Implosion des Glanzes: Wenn Narzisst:innen alles verlieren, was sie geschaffen haben.

Narzisstische Führung ist kein Charakterfehler und kein Drama aus Management-Ratgebern. Sie ist ein altes Muster aus Sehnsucht, Schmerz und der verzweifelten Hoffnung, sich selbst in der Welt zu sichern. Narzisst:innen bauen Grosses. Sie entzünden Funken. Sie führen mit einer Kraft, die mitreisst. Und sie zerstören am Ende oft genau das, was aus ihnen entstanden ist. Nicht aus Bosheit. Sondern aus Angst. Vor der Stille. Vor Bedeutungslosigkeit. Vor dem eigenen Innen. Dieser Text versucht, die Mechanik dieser Implosion zu verstehen. Nicht wertend, menschlich.

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Daten teilen heisst Wasser teilen: über Flüsse, Server und Verantwortung.

Die Cloud ist nicht schwerelos. Sie rauscht. Durch Flüsse, Turbinen und Kühlkreisläufe. Was als saubere Zukunftstechnologie begann, verschlingt heute Strom und Wasser in grossen Mengen. Schweizer Rechenzentren werden zu den neuen Wasserkraftwerken. Nur, dass sie nicht Energie erzeugen, sondern verbrauchen. Und während die Gletscher schmelzen, fliesst der Datenstrom ungebremst weiter. Wer über Digitalisierung spricht, muss auch über Wasser sprechen.

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